Die Gastwirte

Liebe Gäste in unserer historischen Bierstube „National“

Herr Christian Bischof ein begnadeter Bierflaschen und Bierartikel-Sammler, hat mit Stücken aus seiner Sammlung weiteres Licht in die Geschichte unseres Hauses gebracht.

Aber schön der Reihe nach.

Unter dem goldenen Löwenkopf an unserer Hausfassade sind zwei Jahreszahlen zu lesen: 1603 und 1670.

1603

wurde das Haus gebaut und war im Besitz der Handelsfamilie Zollikofer, deren Unternehmen auch als die „Gesellschaft zum Löwenkopf“ bezeichnet wurde. Deshalb wurde das Haus auch mit einem vergoldeten Löwenkopf geschmückt.

1670

wurde an das bestehende Haus ein weiterer Teil angebaut, was man, vom Kloster her kommend auch heute noch sehr schön sehen kann.

Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts beherbergt das Haus dann die Leuen - Apotheke. Um 1861 begann Apotheker Friedrich Sahnisch, der Inhaber des Hauses, nebst der Apotheke auch ein Café zu führen. Wegen dem Standort gegenüber der Nationalbank, nannte er das Lokal Café National. Ab 1875 war es nicht mehr in seinem Besitz und wurde nur noch als Café National geführt - ohne Apotheke.

Nun zu den neuen Erkenntnissen:

Bis heute wussten wir nicht, dass das „NAZ“ wie es die St. Gallerinnen und St. Galler liebe voll nennen, eine solch „bierige“ Vergangenheit hatte, die sich ja dann mit der huus-braui in der Neuzeit fortsetzte.

Aus dieser Zeit stammt dieser Porzellankopf einer Bügelfasche. Die damaligen Betreiber betrieben die Generalvertretung der Bavaria - Biere für die Kantone St. Gallen, Appenzell, Graubünden und Glarus. Die Brauerei Bavaria befand sich an der Landstrasse nach Speicher.

Dieses seltene Dokument, belegt den Bierhandel auch mit deutschen Bieren und Weinen im National um 1894. Dazu wurden speziell die deutschen Bierhumpen mit Schweizer Eichung versehen, damit sie in den Bierhallen verwendet werden durften!

Ab 1920 wurde das „Café National“ von Johann Babtist Giger bewirtet. 1932 übernahm dessen Sohn Placidus Giger das Lokal. Nach dessen Tod im Jahre 1945 wirtete seine Tochter Martha zusammen mit ihrer Mutter weiter, bis sie das Lokal 1963 auf eigene Rechnung übernahm. 1969 wurde der hässliche grüne Verputz an der Aussenfassade entfernt, um den ursprünglichen wunderschönen Riegel wiederherzustellen. Jetzt wurde auch der Löwenkopf frisch vergoldet und das Wirtshausschild „zum goldene Leuen“ angebracht.

1992 erwarb Malermeister Wili Kostgeld „den goldene Leuen“, den er anlässlich meiner Übernahme im Sommer 2000, umfangreich und fachgerecht, renovierte und sanierte. Was unteranderem auch dazu führte, das wir von der Icomos-Jury 2006 die besondere Auszeichnung - für die sorgfältige Pflege und den ideenreichen Betrieb des historischen Bierlokals in der Altstadt von St. Gallen - entgegennehmen durften.

2002 schliesst sich der „bierige“ Kreis des National's. Mit der Eröffnung unserer huus-braui in Roggwil TG, werden nach über hundert Jahren, wieder eigene Biere im NAZ ausgeschenkt.

Walter Tobler
Pächter und Bierwirt seit 2000